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Besuch der Brennerei Grünegg

Wie schon viele Jahre zuvor, haben wir auch heuer wieder der Jausenstation Grünegg in der Nähe des Hochkönig einen – diesmal besonders – winterlichen Besuch abgestattet, um uns ein bisserl überm Whisky Tellerrand weiterzubilden. Dort wird ja schon über viele Generationen destilliert. Bisher stand die Brennanlage eher unauffällig in einem Nebengebäude, um nicht zu sagen Stadel, man ließ die immer wieder zurecht und vielfach ausgezeichneten Brände für sich selbst sprechen. Da hat sich nun einiges getan, deshalb wollen wir mal ein wenig ausführlicher unsere Eindrücke berichten.
Ans alte Haus wurde ja schon vor ein paar Jahren im Zuge einer Erweiterung ein kleines Schnaps-Verkostungsgewölbe angebaut. Von diesem gelangt man nun direkt in den im Sommer 2018 neu errichteten Gebäudeteil, der nicht nur eine neue Bar und diverse schöne, indirekt beleuchtete Flaschendisplays bietet. Davor, und hinter großen Fensterflächen gleich beim Ankommen prominent sichtbar, trohnt die neue, deutlich größere Kothe Brennanlage, momentan eine der modernsten ihrer Art. Diese erlaubt mit Ihrer Feinbrandkolonne mit drei Böden und einem Dephlegmator nicht nur eine saubere Destillation für div. klassische Obstbrände, der Kupferhelm der – zwischen der Kolonne und dem Kondensator plazierten – Potstil, würde auch eine traditionelle Zweifachdestillation, etwa für Whiskyherstellung erlauben. Diesbezügliche Gedanken werden zwar von der Familie Rainer auch schon gewälzt, einstweilen bleibt man aber vor allem dem sehr breiten Obstbrände-Sortiment treu, erweitert einerseits um eine ganze Reihe Fassgelagerter Brände, andererseits um ein paar spannende Experimente, sowie den Highking Gin.

Doch nun zu den verkosteten Produkten. Die zuletzt erwähnten Experimente haben zwar möglicherweise das Potential die Geister zu scheiden, Brände wie “G’sundes Holz”, der gelungene Versuch die tollen Aromen des Zirbenholzes ins Glas zu bannen, wie auch die nach Wiesenblumen duftende “Bergheu” Version sind aber unserer Meinung nach genauso wert verkostet zu werden, wie der neue Blueberry Gin (basierend auf dem um mitdestillierte Heidelbeeren erweiterteten “Highking-Gin”, der dann mit etwas Heidelbeersaft auf 38%vol eingestellt wird) einen schönen stand-alone Drink darstellt, der Trinkspaßzu bereiten weiß.
Wirkliche Highlights findet man aber unserer Meinung nach unter den klassischen Obstbränden, hier seien besonders herausgehoben der aktuelle Vogelbeerbrand (ganz klassisch, genau so wie ein guter Vogelbeer sein soll, mit tollen Nußaromen und ausgeprägtem Marzipan in der Nase, den typisch würzigen Noten am Gaumen sowie einem Abgang der durch leichte grasige Noten wunderbar die zarte Süße ausballanziert), sowie der überaus gelungene Johannisbeerbrand (schön fruchtig, inkl. dem typisch würzigen Blätterduft der schwarzen Ribisel, mit einem tollen, unglaublich weichen Abgang).
Barrique Lagerung bei Obstbränden ist unserer bescheidenen Meinung nach sehr gefährdet, den Brandcharakter zu überlagern und damit keine Ausgewogenheit zu gewährleisten. Dies ist aber z.B.: beim “Apfel im Eichenfass” (der zurückhaltend “nur” für 3 Monate im Holz gelegen hat) wunderbar gelungen: nach den vollen, direkten, leicht süßlichen Fruchtnoten in der Nase, weist der Brand am Gaumen eine schöne Aromenergänzug durch die zarten Tannine und etwas Vanillin aus der Eiche auf. Im sauberen, weichen Abgang kommen dann vom Fass auch noch leichte geräucherte Noten dazu, die einen fast an etwas Schokolade denken lassen.

Die Preise sind, zumindest teilweise, nicht wirklich günstig, aber marktkonform und jedenfalls der durchwegs hohen Qualität entsprechend. Umso schöner ist es, dass die Glaspreise im Lokal nicht nur sehr moderat kalkuliert sind, darüber hinaus werden auch um nur 1€ Kostgläser angeboten. Das ermöglicht jeder/jedem selbst zu verkosten, was den jeweiligen Vorlieben entspricht, umso mehr, als gerade bei Obstbränden ja jeder Jahrgang durchaus unterschiedlich ausfallen kann.
Dass man hier auch ausgezeichnet und preiswert essen kann (insbesonders genannt werden müssen die perfekte, frische – weil regelmäßig selbst geräucherte – Forelle, sowie der weithin gerühmte Kaiserschmarren), soll hier auch nicht unerwähnt bleiben.
Ihr findet ein paar weitere Fotos auch auf unseren Facebook Beiträgen hier + hier.
Herzlichen Dank an die Familie Rainer für die Gastfreundschaft und großzügiges zur Verfügung stellen von Zeit und Infos.

Tasting: Jura “Tastival 2017”

Diese Abfüllung haben wir gerade “vorverkostet” für unser samstägliches Tasting im Raben. Es handelt es sich um die (nicht sehr stark) limitierte Abfüllung anlässlich des Jura Whiskyfestivals 2017, dieses findet immer parallel zum “Islay festival of malt and music” statt. Die 2017er Abfüllung wurde mit 51%vol abgefüllt und “enhanced” in ex first fill american bourbon barrels sowie auch in ex port pipes. Letzteres kann gut gehen, muss aber nicht. Schau ma mal:

dav

COLOUR: sattes Gold, mit leicht rötlichen Reflexen
NOSE: hinter dem kurz deutlich spürbaren Alkohol liegen gleich überraschend sanfte, dunkle Honignoten, von etwas Vanille begleitet. Gleichzeitig hat er eine fast mentholige Kräuter-frische. Schöne Orangenzestenaromen. Lässt man ihm etwas Zeit kommen langsam dezente Waldbeertöne nach vorne, die sicher den Port Fässern geschuldet sind. Auch etwas wie noch leicht grüne Walnüsse.
TASTE: schöne ölige Textur an Zunge und Gaumen, süß, mit leicht saurer Balance, man spürt hier die frische amerikanische Eiche mit langsam immer deutlicher werdender Würzigkeit und etwas Creme de Cassis. Wieder ein wenig Citrusnoten.
AFTERTASTE: Erst hat dieser Malt im Abgang etwas fast Orangenliköriges, wird dann aber rasch immer würziger, bitterer (nicht unangenehm): Hier packt voll die Eiche zu, mit Gewürznelke, etwas Süßholz, aber vor allem adstringierenden Tanninen. Dann noch wieder etwas Walnußtöne.
WITH WATER: Wasser hebt etwas die Süße und die Beerenaromen, die jetzt von einem Hauch Annanas begleitet werden.Am Gaumen etwas weicher, fast noch dichter, ausgewogener. Im Abgang übernimmt allerdings dann etwas zu dominant die tanninige Bitterkeit.
OVERALL: Diese Abfüllung wirkt zu Beginn etwas bedeckt, enfaltet sich aber nach und nach zu schöner Dichte. Nicht herausragend komplex, weiß sie dennoch ihre Qualitäten zu spielen, sofern man ihr etwas Zeit lässt.