Archiv für den Monat: August 2020

Virtual tasting: Loch Lomond “Single Grain”

Nach den ganzen eher nobleren Abfüllungen zuletzt, wollten wir Euch mal was Einsteigermäßigeres präsentieren, zumindest was den Preis betrifft. Wobei von dem was dieser Whisky darstellt, er vielleicht gar nicht unter „Einsteiger“ eingeordnet gehörte. Zwar: easy drinking wäre da sehr gegeben, andererseits wieder: bei weitem nicht nur… Ach was, bildet Euch Eure eigene Meinung.
Um Euch dafür das notwendige Hintergrundwissen in die Hand zu geben erstmal ein paar hard facts, diese sind hier durchaus spannend, weil speziell.
Destilliert wurde in der Loch Lomond Destillery, welche sich ja durch die Vielfalt ihrer Whiskystile auszeichnet. Möglich wird diese Vielfalt, die sie von anderen Brennereien abhebt, durch den Einsatz höchst unterschiedlicher Brennapparate. So besitzt Loch Lomond nicht nur klassische pot stills, sondern auch „lomond stills“, sowie eine Collum (Coffey) still. Daher können nicht nur verschiedenste Malt Whiskys hergestellt werden (was noch durch unterschiedlichste peating levels vervielfacht wird), sondern auch Grain Whisky. Unserem Wissen nach wäre damit diese Brennerei auch die einzige Schottlands, in der sogar ein Single Blend hergestellt werden könnte (zumindest aktuell, früher gab’s diese Möglichkeit ja in ein paar Brennereien, wie etwa Ben Wyvis im Invergordon Grain Komplex, oder Inverleven am Gelände der Dumbarton Grain Brennerei. Wurde so aber nie gemacht und besagte Brennereien wurden ja auch unter eigenem Namen geführt).
Was haben wir nun diesmal für Euch im Glas gehabt: den sogenannten Loch Lomond “Single Grain”.

Der ist aber nicht, wie der Name vermuten lassen würde, mit “normalen” Grains zu vergleichen, da hier statt des sonst üblicherweise verwendeten Mais oder Weizen, 100% gemälzte Gerste verwendet wurde. Destilliert wurde allerdings auf der hauseigenen Säulenbrennanlage, der Coffey Still. Somit darf er sich seit der Änderung der gültigen Regularien 2009 nicht mehr als Single Malt bezeichnen, da selbiger seitdem aus einer Pot Still Anlage kommen muss. Damit liegt dieser Whisky aromatisch irgendwo zwischen jungen Grains und frischeren Single Malts, da die würzigere Gerste ihren Einfluß zeigt, überdies wurde für einen Säulenbrenndurchgang ein sehr früher cut point bei 83%vol gesetzt, was ebenfalls eine etwas robustere Aromatik mit sich bringt. Abgefüllt wird dann mit feinen 46%, nachdem 4-5 Jahre in ex Bourbon Fässern gelagert wurde, 20% davon first fill. Damit genug Hintergrundwissen vorgeplänkelt, wie tat er sich denn nun im Glas?

Nase: schwer vanillig (Schote!), kandierte Veilchen, Orangenblüten. Dahinter etwas metallische Jugendlichkeit ohne besonders unangenehm aufzufallen. Karamellisierte Banane, Zitrus und ein Hauch Ananas. Sehr süß-fruchtig das Ganze.

Geschmack: hier schlägt nun das Malz durch, überraschend etwas salzige Schokolade, vom ganzen Obst der Nase bleibt am Gaumen vor allem sowas wie Dosenpfirsich über, samt leicht karamelligen Röstaromen.

Abgang: mittellang, ölig-vanillig, sehr süß, aber auch etwas Holzwürze (mit Zimt).

Gesamteindruck: Wir sind eher zufällig über diese Flasche gestolpert, als Lückenfüller wurde er letztens mitbestellt, um auf eine Versandfreie Lieferung zu kommen. Wir haben uns nicht übermäßig viel erwartet, doch dann präsentierte sich dieses Teil überraschend dicht in der Aromatik (verträgt sogar ein Tröpfchen Wasser, obwohl er es nicht braucht) und weiß wirklich zu gefallen und Trinkspaß zu bereiten, zumindet uns. Besonders erwähnenswert ist diesbezüglich das Top Preis Leistungs Verhältnis, denn diese Flasche ist um unter 25€ zu bekommen.
Ob er Euch auch schmeckt, könnt Ihr bei unserem September Tasting im Raben schauen, da werden wir Euch diese Abfüllung präsentieren. Bis dahin… Slainthe!

Erster Herbsttermin im Raben

Nach der Sommerpause, sowie einem privaten Clubtermin Ende August anlässlich der Abfüllung unseres Clubfasses, geht es wieder los mit den Herbstverkostungen, sofern es die Entwicklung rund um Corona zulässt. Wir starten mit dem September Fixtermin (dritter Samstag des Monats) in der Brauwerkstatt des Schwarzen Raben:


Sa. 19. Sept. 2020, 19:00;
Überblicksverkostung im Schwarzen Raben:
“Peaty Stuff”
Anmelden
Wo: Schwarzer Rabe, Ottakringerstrasse 180
Beitrag: 43€ (39€ für “maltfriends” Mitglieder)

Entsprechend des Titels wird es diverse Abfüllungen von sanft bis heftig rauchig geben, inklusive zweier Neuerscheinungen aus dem Hause Ardbeg. Wir freuen uns sehr auf Eure Anmeldungen und ein Wiedersehen zum Genießen und Fachsimpeln bei guten Malts!