Archiv für den Monat: April 2020

Virtual tasting

Corona time, virtual tasting #2: wir hatten dieser Tage den nicht mehr ganz neuen, bei uns aber nicht so oft gesehenen Glenmorangie 19y.o. im Glas.

Mit 43% in die Flasche gekommen, war diese Abfüllung ursprünglich für den Travel Retail Markt vorgesehen, landete aber, wie in den letzten Jahren so oft, binnen kurzer Zeit auch bei div. Händlern, zumindest im Online Segment. Gelagert wurde ausschließlich in Ex-Bourbon Fässern aus amerikanischer Weißeiche. Dann schauen wir mal, ob dieser Tropfen den Untertitel “Finest Reserve” zurecht trägt.


Nase: Banane mit Vanillezucker, Marillen und leichte Kräutertönigkeit, später etwas Ananas, alles in allem die typisch, weiche Glenmo-Fruchtigkeit.

Geschmack: wieder die Banane, aber nur kurz beim Antritt, sehr süß, fast Sirupartig legt er sich dann auf die Zunge, dunkler als in der Nase, mit sich langsam entwickelnder Holzwürze, ausballanciert von frischeren, dezenten Zitrusnoten.

Abgang: diesen empfanden wir im Gegensatz zu einigen anderen Rezensionen eher kurz, fast unspäktakulär. Etwas Grasigkeit gesellt sich zu den Aromen, wenn man ihm noch etwas Luft lässt, kommen auch noch ein wenig Zimt und nochmal fruchtige Noten dazu. Vom Anfang bis zum Ende durchzieht übrigens alles ein sehr dezenter, angenehmer Minzton.

Gesamteindruck: klingt alles nach einem feinen, entspannten “easy drinking” Erlebnis, ohne Langeweile aufkommen zu lassen, mit kleinen Schwächen beim Abgang (aber das ist Jammern auf hohem Niveau). Und genau so ist es auch. Wäre da nicht der Preis, der einen ob des Gebotenen (auch noch – wie bei Glenmorangie leider oft – gefärbt) eher unentspannt zurücklässt, zumindest uns. Für’s 70 – 80€ Segment wäre das ein feiner dram. die üblicherweise aufgerufenen rund 120€, manchmal auch deutlich drüber, erscheinen uns deutlich zu viel für diesen zurückhaltenden Schmeichler. Trotz der 19 Lagerungs-Jahre, da gibt es um’s selbe Geld deutlich spannendere Alternativen. Insofern, obwohl für recht gut befunden, leider keine Kaufempfehlung von den “maltfriends”.



Virtual tasting

In dieser offenbar noch länger andauernden Verkostungslosen Zeit, dachten wir, wir teilen ein paar Eindrücke mit Euch, damit Ihr inzwischen a bissl was zum lesen und eventuellen nachverkosten habt. Wir starten diese Rubrik mit was Neuem, das trotz der Umstände gerade den Weg zu uns gefunden hat. Und – davon sind wir überzeugt, soviel soll schon verraten sein – sicher seine Fans finden wird, wenn wir es dann hoffentlich bald mal auch live “in echt” vorstellen können.

Es geht um den neuen jungen Wilden aus dem Hause Ardbeg, den 5 jährig abgefüllten “wee beastie”, der hauptsächlich in Ex-Bourbon Barrels lagerte, mit einem kleinen Anteil beigemischter Ex-Oloroso Sherry Casks. Die Alkoholgradierung ist mit 47,4%vol schon wieder mal so eine “cask strength – look alike” Abfüllung, aber wer von uns Whisky-Geeks will da schon jammern, wenn neben “non chill filtered” immerhin ein bissl mehr Alkoholstärke in die Flasche kommt, runterwassern geht ja dann immer noch :-). Soviel zu den hard facts, kommen wir zur Verkostung.

Nase: überraschend süß, deutlich rauchig-teerig, ein Hauch von roten Beeren, etwas Vanille und Citrus, ein zarter Eindruck frischer Äpfel.

Geschmack: ordentlich Pfeffer, leicht salzig, dann wieder die Süße, aber zurückhaltender, insges. mehr Bourbon-driven: Vanille, leicht karamellisierter Zucker, etwas Malz, fleischiger Rauch!

Abgang: nach und nach etwas mehr Fasswürze und Tannine, leichte kräutrige Grasigkeit. Teer, immer wieder Pfeffer, aber auch diese sich durchziehende Süße.

Wasser: mehr warmes Lagerfeuer, etwas deutlichere Würze, Kumquat, süßer Rauch und ein Hauch Kaffee in der Nase. Erst etwas weicher, fast minzig am Gaumen, doch dann schlägt wieder das Biest zu. Ein wenig Anis, mehr Kaffe und auch Kakao kommen dazu.

Gesamteindruck: jung und ungezähmt, bei rauchigen Islay’s immer wieder sehr geschätzt, so auch hier. Da wirkt nix ungereift, hat in seiner jugendlich/rauchigen Heftigkeit absolut seine Berechtigung als Ergänzung der Ardbeg core range, besonders für Liebhaber des Teerigen und Fleischigen ;-). Mit knapp 40€ unterscheidet er sich preislich praktisch nicht vom 10y.o., ist aber das Geld als etwas wildere Alternative auf jeden Fall wert. “A monster of a dram”!