Wenn schon in der Gegend, dachten wir an eine Stippvisite bei der von uns so geschätzten Schleppe Brauerei in Kärnten. Und gut wars! Bevor wir Euch aber ein bissl was von unseren Eindrücken von Führung und Verkostung näher bringen, ein paar der wesentlichsten Hintergrund-Facts.
1607 erstmals urkundich erwähnt, wird hier seit über 400 Jahren (!) Bier gebraut. Nach dem Zusammenschluß mit der Villacher Brauerei in den 1990er Jahren, sowie einem Umbau und behutsamer Modernisierung im Jahr 2000 (bei Beibehaltung der tratitionelen Philosophie), wird zwar hier nach wie vor ein Märzen, Pils und diverse Bockbiere hergestellt, vor allem konzentriert man sich aber seither auf die Kreativ- und Craftbier Schiene. Das übrigens sehr erfolgreich, so gewann das Schleppe No.1 bereits vor einigen Jahren die Auszeichnung für das beste europäische Bier in der Stilistik Pale Ale, auch sonst ist die Liste an Preisen lang und die Punktevergaben div. Fachmagazine hoch.
Erwähnenswert ist hier noch die schon angedeutete Philosophie, die trotz modernster Bierstile auf Tradition, sowie strikt auf's deutsche Reinheitsgebot setzt. So werden nicht nur eigene Hefen gezüchtet, sehr bewußt sehr spezielle Malzmischungen verarbeitet und etwaige fruchtige Aromen ausschließlich über spezielle Aromahopfensorten erzielt. Auch verlässt kein Bier filtriert oder pasteurisiert die Brauerei. Das hat natürlich Auswirkungen auf die (etwas kürzere) Lagerfähigkeit, bedeutet aber imer hohe Qualität, was die Aromenfülle betrifft. Die verfügbaren Produkte könnt Ihr auf der Schleppe Homepage hier und hier nachlesen.
Zur Führung selbst: diese war zwar kurzweilig und von lockerem Schmäh begleitet, jedoch von großem Fachwissen unterfüttert, also alles Bestens. Die verkosteten Biere waren, wie von diesem Hause gewohnt, allesamt speziell, spannend und ausgezeichnet:
# Märzen: eingebraut mit ein wenig Karamalt, für ein Märzen daher eher dunkel, sehr würzig, bei trotzdem leichtfüßiger Trinkbarkeit;
# No.3 IPA: aromatisch ähnlich wie das von uns so geschätzte No.1 PA, bei deutlich höherem Alkoholgehalt aber noch etwas cremiger, auch etwas weniger von den exotischen Früchten, dafür ein Hauch Rosenduft und mehr Malzigkeit.
# Belle Saison: ein im belgischen Stil gebrautes sehr helles Bier, durch Verwendung einer speziellen Hefesorte (kann auch Mehrfachzucker vergären, daher kein Restzucker!) nicht nur eine leichte Bananennote in der Nase, am dann Gaumen trotz dichter Aromatik knochentrocken und recht trinkanimierend.
# zu guter Letzt, das unverzichtbare Porter No.5: im Schleppe Stil vor allem durch eine tolle Kombi von intensivsten Röstaromen bei trotzdem leichter Trinkbarkeit geprägt.
Nachdem seit ebenfalls Anfang der 2000er Jahre die Brennerei Pfau nicht nur in Kooperation mit Schleppe div. Bierbrände und auch Single Malt herstellt, sondern auch ihre Brennereiausrüstung in den Felsenkellern der Brauerei untergebracht hat, konnte diese für uns erfreulicherweise ebenfalls besichtigt werden. Und so wählten wir auch die um zwei Pfau Produkte erweiterte Verkostung, um einen kleinen Eindruck zu bekommen. Um es kurz zu fassen: vielleicht haben wir ein schlechtes Händchen bewiesen, beim an sich großen Plus dieser Verkostungsvariante, nämlich bei der freien Wahl aus der breiten Produktpalette. Die beiden von uns gewählten waren nämlich eher "mau als pfau", der unumgängliche Single Malt an sich recht in Ordnung, aber mit seiner doch recht jugendlichen Metlalligkeit jedenfalls viel zu teuer, der Quittenbrand hingegen hat uns gar nicht geschmeckt. Fairerweise sei nochmal auf die Fülle an Obstbränden hingewiesen, aus deren reichen Sortiment wir früher auch schon mal Gelungeneres im Glas hatten, das durchaus Freude zu bereiten wusste. Auch die Bierbrände sind von hoher Qualität. Allerdings ist alles recht hochpreisig angesiedelt.
Abschließend bleibt nur zu sagen: wer von Euch Malzinteressierten in Klagenfurt weilt und zwei Stunden Zeit übrig hat, dem können wir nur sehr empfehlen, diesen Besuch zu wagen, es zahlt sich jedenfalls aus und die Führung samt Verkostung ist auch preislich recht günstig angesetzt.
Auf Facebook findet Ihr noch eine kleine Fotostrecke unseres Besuchs, mit ein paar wenigen Fotos mehr.







